Müller Aluminium
  1. Einleitung
  2. Allgemeines und Beständigkeit
  3. Ausgangswerkstoffe
  4. Materialdicken
  5. Verzinkungen
  6. Oberflächen
  7. Anticondens
  8. Befestigung
  9. Brandverhalten
  10. Blitzschutz
  11. Gewährleistung
  12. Wartung und Pflege

Ratgeber

für Aluminium- und Stahl-Profiltafeln

Die vielleicht wichtigste Information vor einer Kaufentscheidung,
damit Sie die richtige Wahl für Ihr Bauvorhaben treffen.

1. Einleitung

Die genannten Informationen über die Profiltafeln entstammen der europäischen Norm EN 14782 und unserer langjährigen Erfahrung. Die Einhaltung der EN-Norm wird mit der Leistungs- /Komformitätserklärung und dem CE-Zeichen zertifiziert.

2. Allgemeines und Beständigkeit

Aluminium-Trapezprofile haben eine hervorragende Beständigkeit gegenüber aggressiver Industrie- und Seeatmosphäre sowie der Einwirkung von Ammoniak im landwirtschaftlichen Bereich seit Jahrzehnten bewiesen. Aluminium-Trapezprofile haben keinen zusätzlichen Schutz nötig und eine Beschichtung wird nur aus optischen Gründen aufgebracht.
Das älteste Aluminiumdach der Welt, die Kuppel der Kirche San Gioacchino in Rom (Baujahr 1897), ist noch heute in ausgezeichnetem Zustand. Ebenso die Dortmunder Westfalenhalle - eingedeckt 1952.

Stahl-Profilbleche sind stabil und günstig, allerdings ist die Lebensdauer nicht mit der von Aluminium vergleichbar. Sie sind zudem nicht ammoniakbeständig und der Einsatz an der Küste ist je nach Beschichtung nur eingeschränkt zu empfehlen.
Der Korrosionsschutz bei Stahl-Profilblechen ist etwas komplexer und nach DIN EN ISO 12944 gibt es unterschiedliche Korrosionsschutzklassen in Abhängigkeit von den atmosphärischen Umgebungs-bedingungen.
Die Kategorie C1 ist ausschließlich für den Innenbereich zugelassen, C2 für ländliche Bereiche mit geringer Luftverunreinigung wie z.B. die Lüneburger Heide, C3 für Stadt- und Industrieatmosphäre mit mäßiger Luftverunreinigung und Küstenbereiche mit geringer Salzbelastung, C4 für normale industrielle Bereiche und Küstenbereiche mit mäßiger Salzbelastung sowie C5 für industrielle Bereiche mit aggressiver Atmosphäre und Küstenbereiche mit hoher Salzbelastung.
Stahl-Profilbleche mit einem sehr guten Korrosionsschutz halten aber trotzdem nicht ewig. Die DIN EN ISO 12944 teilt die Schutzdauer in die drei Bereiche kurz, mittel und lang. Kurz bedeutet 2 bis 5 Jahre, mittel 5 bis 15 Jahre und lang ist schon alles über 15 Jahre Schutzdauer.

3. Ausgangswerkstoffe

Beim Aluminium sind die Legierungen AlMn1, AlMn1Mg1, AlMn1Mg0,5 oder AlMg1 mit einem Mindestwert der 0,2% Dehngrenze von 165 N/mm² zulässig.

Beim Stahl ist mindestens verzinktes Blech der Güte STE 280 - 2Z nach EN 10147 zu verwenden.

4. Materialdicken

Die Mindestblechdicke für Trapezprofile richtet sich nach den Schnee-, Wind- und Verkehrslasten und beträgt mindestens 0,5 mm.

Je dünner der Stahlkern und schwerer die Verzinkung, umso höher ist, wegen der kathodischen Schutzwirkung am Plattenende, die Lebensdauer der Stahlprofile. Deshalb sollte man auch keine Profiltafeln mit Stahldicken über 0,75 mm als Dachaußenschale einsetzen, weil hier keine kathodische Schutzwirkung mehr gewährleistet werden kann.

Die kathodische Schutzwirkung ist das sich gegenseitige Anziehen der oberen und unteren Zinkschicht. Sie legen sich so um den Stahlkern am Plattenende sowie bei Bohr-, Schnitt- und Stanzstellen.

5. Verzinkungen

Das Verzinkungsgewicht beträgt bei den Stahlprofilen meistens 275 g/m². Besonders gut geschützte Profiltafeln besitzen eine Verzinkung von 350 g/m² oder Aluzink.

6. Oberflächen

Aluminium

Stucco-blank ist eine naturbelassene, anfangs glänzende Oberfläche mit Prägung zur Minderung der Sonnenreflektion. Im Laufe der Jahre bildet sich eine Patina in mattgrau.

Der 25 µ Polyesterlack, auch Kunststoffbeschichtung genannt, ist eine Beschichtung mit einer guten Farbbeständigkeit.

Der Metalllack ist ein im Coil-Coating aufgetragener, aluminiumpigmentierter Lack mit besonders hochwertigen und UV-beständigen Farbpigmenten. Er bietet eine hervorragende Farbbeständigkeit über Jahrzehnte.

Der 25 μ Strukturlack ist eine Beschichtung mit einer guten Farbbeständigkeit und einer Oberflächenstruktur, die einer Ton- oder Betondachpfanne nachempfunden ist.

25 μ Hard Coat ist ein von Plannja entwickeltes und patentiertes Beschichtungsystem für Aluminium-Trapezprofile mit einer ausgezeichneten Farbbeständigkeit. Durch zusätzliche Keramikpartikel besitzt diese Beschichtung eine sehr gute Kratzfestigkeit. Die mattrauhe Oberfläche vermindert Lichtreflektionen und intensiviert die Farbe.

Stahl

Der 25 µ Polyesterlack, auch Kunststoffbeschichtung genannt, ist eine Beschichtung mit einer guten Farbbeständigkeit. Korrosivitätskategorie C3 für mäßig belastete atmosphärische Umgebungsbedingungen.

Aluzink 185+ ist aufgrund des hohen Aluminiumanteils gegen Bewitterung unempfindlicher als Zink. Korrosivitätskategorie C4 für stark belastete atmosphärische Umgebungsbedingungen.

Der 50 μ Strukturlack Golden Oak ist eine zweischichtig aufgebrachte Polyesterackierung mit einer guten Farb- und Kratzbeständigkeit und von echtem Holz kaum zu unterscheiden. Korrosivitätskategorie C3 für mäßig belastete atmosphärische Umgebungsbedingungen.

50 μ Pural / Granidur ist ein Polyamid modifiziertes Beschichtungssystem auf Polyurethanbasis. Es besitzt eine sehr gute Kratzfestigkeit und Farbbeständigkeit. Korrosivitätskategorie C5 für sehr stark belastete atmosphärische Umgebungsbedingungen.

50 μ Hard Coat ist ein von Plannja entwickeltes und patentiertes Beschichtungsystem für Stahl-profilbleche mit einer ausgezeichneten Farbbeständigkeit. Durch zusätzliche Keramikpartikel besitzt diese Beschichtung eine sehr gute Kratzfestigkeit. Die mattrauhe Oberfläche vermindert Lichtreflektionen und intensiviert die Farbe. Korrosivitätskategorie C5 für sehr stark belastete atmosphärische Umgebungsbedingungen.

Die Plastisolbeschichtung ist eine meist 200 μ dicke, lederähnliche, aufvulkanisierte Beschichtung mit einer sehr guten Schutzfunktion. Allerdings setzt sie Weichmacher frei und Chlorradikale verursachen nach 10 bis 15 Jahren die langsame Ablösung der Beschichtung. Sie ist zudem sehr umweltbedenklich und nicht farbbeständig. Erfreulicherweise wird sie daher kaum noch angeboten.

7. Anticondens-Beschichtung (auch NoConDrop, Tropfschutz, Antitropf- oder Constop-Beschichtung genannt)

Bei einschaligen, nicht isolierten Dächern sowie isolierten mit unzureichender Dampfsperre ist die Kondensation von Wasserdampf (Schwitzwasser) häufig ein Problem. Um ein Abtropfen zu verhindern, werden hier Profiltafeln mit unterseitigem NoConDrop / Anticondensvlies empfohlen.

Das Problem
Die uns umgebende Luft enthält Wasserdampf. Je nach Höhe der Luftfeuchtigkeit und der Umgebungstemperatur verdichtet sich der Wasserdampf und schlägt sich an der Unterseite des Daches als Kondenswasser nieder. Die Wassertropfen rinnen dann entlang der Sicken in Richtung Traufe und tropfen dabei an den Pfetten ab. Dies kann zu Schäden an Lagergut, Geräten und Pfetten führen.

Einschaliges Metalldach

Die Lösung
Die Trapezprofile besitzen auf der Unterseite ein feuchtigkeitsabsorbierendes Vlies - NoConDrop.
Dieser verrottungsbeständige und pilzresistente Belag bindet das Kondenswasser und absorbiert bis zu 1 l Wasser pro m². Dieses ist in den allermeisten Fällen ausreichend, um das unangenehme Abtropfen zu vermeiden.
Damit die aufgenommene Feuchtigkeit rasch wieder an die Umgebungsluft abgegeben werden kann, ist auf eine ausreichende Belüftung zu achten. Die Zufuhr von großen Mengen Feuchtigkeit, z.B. durch Tiere, Getreide, Wärmekollektoren oder anderem sollte allerdings vermieden werden.
Das Vlies ist mit einem doppelten Kapillarstopp versehen. Dieser reduziert die Kapillarwirkung von der Traufe unter die Dachfläche.
Zudem besitzt das schwer entflammbare NoConDrop einen Antidröhneffekt bei Regen und Hagel.
NoConDrop wurde durch das Frauenhofer-Institut für Bauphysik geprüft und zertifiziert.

Antikondensvlies

8. Befestigung

Die DIN für Aluminium-Trapezprofile regelt sowohl die Obergurt- (Berg) als auch die Untergurtverbindung (Tal). Die Befestigung erfolgt mit (Bohr) Schrauben oder mit Schrauben und Kalotten. Diese müssen aus Aluminium oder nichtrostendem Stahl und die Dichtungen aus EPDM bestehen. Die aus Kostengründen häufig verwendeten nicht UV-beständigen Dichtungsmaterialien Neopren und Moosgummi sowie Nägel sind nicht mehr zulässig.

Unsymmetrische Aluminium-Trapezprofile müssen unserer Erfahrung nach mit Schrauben und Kalotten auf dem Obergurt befestigt werden (Bild 1). Bei dieser Verbindung hat sich allerdings gezeigt, dass breite Obergurte aufgrund der leichteren Verformbarkeit gegenüber schmalen eher Undichtigkeiten aufweisen (Bild 2).

Bei den symmetrischen Alu-Trapezprofilen liegen die Vorteile dagegen bei der Untergurtbefestigung (Bild 3).

Stahl-Trapezprofile lassen sich unabhängig von der Profilform entweder auf dem Obergurt oder besser mit Bohrschrauben im Untergurt befestigen. Letztendlich aber sollten die Empfehlungen der Hersteller berücksichtigt werden.

9. Brandverhalten

Dächer mit Aluminium-Profiltafeln oder Stahl-Profilblechen sind widerstandsfähig gegen Flugfeuer und strahlende Wärme. Nach EN 13501-1 – Klassifizierung von Bauprodukten und Bauarten zu ihrem Brandverhalten – erfolgt eine Klassifizierung in die Baustoffklasse A1 – nicht brennbar, keine Rauchentwicklung, kein brennendes Abtropfen/Abfallen.

10. Blitzschutz

Dächer mit Aluminium-Profiltafeln und Materialdicken ab 0,65 mm sowie mit Stahl-Profilblechen und Dicken ab 0,5 mm gelten nach EN 62305-3 – Blitzschutz - als Auffangvorrichtung, wenn ein Durchschmelzen am Einschlagpunkt nicht berücksichtigt werden muss. Voraussetzung ist eine ordnungsgemäße Erdung.

11. Gewährleistung

Eine Garantie von Dacheindeckungen kann sich entweder nur auf den Materialersatz beziehen oder auch die handwerkliche Leistung der Reparatur beinhalten.

Langjährige Gewährleistungen sollten genau hinterfragt werden, denn nicht selten sind diese mit unwirtschaftlichen Bedingungen verknüpft.

Es gibt Garantiebedingungen, nach denen ein nach wenigen Jahren angerostetes und unansehnliches Stahl-Trapezblech keinen Reklamationsgrund darstellt, sondern erst eine Durchrostung.

12. Wartung und Pflege

Dachflächen sind in besonderem Maße der Witterung ausgesetzt. Chemische und biologische Umwelteinflüsse beschleunigen die natürliche Alterung. Beim Dach kann es durch Windangriff, Erschütterungen oder Bewegungen des Baukörpers zu Rissbildungen in der Dacheindeckung und/oder Lockerungen in der Befestigung kommen.

Um die Schädigung von Gesundheit und Eigentum unbeteiligter Dritter zu vermeiden, hat 1993 der BGH die regelmäßige Überprüfung und Pflege aller Teile eines Daches verbindlich vorgeschrieben (Az.: ZR 176/92). Werden diese Kontrollen sowie erforderliche Reparaturen nicht mindestens einmal jährlich von qualifizierten Personen durch- und ausgeführt und liegen keine schriftlichen Wartungsprotokolle vor, sind Gewährleistungs- und im Schadenfall durch herabfallende Dachteile Versicherungsansprüche gefährdet.

Änderungen vorbehalten.